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10.01.2007 Fluxus

 
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Sadlion
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Alter: 59
Anmeldungsdatum: 06.10.2005
Beiträge: 1206
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 11.01.2007 12:11    Titel: 10.01.2007 Fluxus Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,

was versteht man unter dem Begriff Fluxus und was hat es mit der Fluxus-Bewegung auf sich?

Liebe Grüße Smile

Sadlion
_________________
Sicher kannst du die Uhr nicht zurückdrehen,
aber du kannst sie immer wieder neu aufziehen.
------------------------------
Wenn jemand gegen Aluminium minimal immun ist, hat er eine Aluminiumminimalimmunität.
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eisfalter
Moderator


Alter: 59
Anmeldungsdatum: 09.10.2005
Beiträge: 278
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 13.01.2007 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sadlion,

interessante Frage und viel Stoff!

Fluxus
ist die radikalste, experimentellste Kunstbewegung des 20ten Jahrhunderts. Fluxus ist die Wiederaufnahme von Dada zu Beginn der 60ger Jahre. Fluxus wurde von einem Künstlerkollektiv getragen. Die Gründung der Gruppe (1962) und der Begriff (1960 ) stammen von dem Litauer George Maciunas (1931- 1978); der mit seinen Eltern 1944 zuerst nach Bad Nauheim (D) flieht und dann 1948 in die USA geht. Der Begriff " Fluxus" wurde von Maciunas als litauischer Begriff gewählt, für eine Zeitschrift der litauischen Kulturgruppe in New York , eine Zeitschrift, die nie erschienen ist. Der Begriff entstammt der Medizin und bezeichnet eine " fließende Darmentleerung", entspricht der Weltsicht des Dadaisten Hans Arp, der die dadaistische Kunst als Antikunst sah die "...unmittelbar den Gedärmen des Dichters entspringt."
Fluxus ist eng mit Musik, Aktion und Happening verbunden - collageartig komponierte Aktionsabläufe, die auf Grund des Zusammentreffens von akustisch-musikalischen und choreographischen Ausdrucksformen als "Konzert" bezeichnet wurden und oft von mehreren Künstlern im Kollektiv aufgeführt wurden. Zumeist gab es eine strikte Trennung von Künstler und Publikum (Aktion), im Unterschied zum Happening. Fluxus ist Spaß und Bewußtseinserweiterung, Fug und Unfug.

Fluxus verstand sich als weltweit agierende globale Bewegung. Im Jahr der Gründung fanden Fluxus-Konzerte in Wuppertal, Wiesbaden, Kopenhagen und Paris statt. 1963 dann in Düsseldorf , Amsterdam, Den Haag, London und Nizza.

"Das Leben ist ein Kunstwerk, und das Kunstwerk ist Leben." Fluxus begriff das gesamte Leben als ein Stück Musik, als einen musikalischen Prozeß. Fluxus ist in den USA verbunden mit der Hippi und Freak-Bewegung , besonders stark in San Francisco, Hollywood, Los Angeles - ein wichtiger Vertreter: Frank Zappa und die Mothers of Invention.

Basis
Der Ausgangspunkt des Fluxus ist der Dadaismus der eine freie Erforschung der Realität, unbelastet von jeglicher Wertkausalität, ermöglicht. Während Dada im literarischen Umfeld entstand, entstand Fluxus im musikalischen und künstlerischen Umfeld. Dabei ist die methodische Neuorientierung der Kunst im Anschluß an Psychologie und Soziologie sowie ihre interdisziplinäre Ausweitung in Richtung auf eine Ausnutzung moderner Medien. Fluxus ist die Konzentration auf das menschliche Bewußtsein und auf die Problematik eines fehlenden kommunikativen Sozialverhaltens innerhalb der modernen Gesellschaftsstruktur. Grundmaxime von neodadaistischer Kunst bildet das Wissen, daß alles real und damit der Bewußtseinserhellung wert ist. Das Banale, das gewöhnlich Verbrauchte, wird ebenso relevant wie die vielfältigen Prozesse des Alltags. In der Aktion findet die unmittelbare Präsentation eines künstlerischen Denkprozesses mit Hilfe theatralischer Mittel statt, um durch die überraschende Pointe des improvisierten Geschehens das Leben selbst, die Aktualität einer Problematik mit größtmöglicher Eindringlichkeit zu demonstrieren. Diese Aktionskunst liefert eine wichtige Bedingungen für die Annäherung zwischen Kunst und Lebenswirklichkeit. Leben = Kunst!

Gleichzeitig werden die Grenzen der Kunstgattungen durch vielfältige Formen des Medienverbundes gesprengt, Stichwort Multimedia. Es bilden sich neue Darstellungsformen wie Happening, Situation, Combine Painting, Objektkunst, Environment und Akkumulation heraus, die den vorgefertigten Gegenstand der Konsumindustrie und das Alltagsgeschehen in das Kunstwerk integrieren.

Protagonisten
Die ästhetische Philosophie von Neodada wird in Amerika in wesentlichen Inhalten von dem Komponisten John Cage (geb. 1912) konzipiert, der die Partizipation des Publikums an Kunstaktivitäten propagiert und die Auflösung der künstlerischen Medienabgrenzungen vorantreibt. Durch John Cage hat die Aktionskunst ihre Geburtsstunde nicht in der Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst, sondern der Experimentalmusik, deren kreatives Zentrum sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an der New York School for Social Research befindet. Dort hält der Schönberg-Schüler Cage Kurse für elektronische Musik ab und nimmt in seine eigenen Kompositionen auch Zufallsgeräusche und Klangeffekte aus dem Alltag hinein.

1960 geben die Cage-Schüler La Monte Young (geb. 1935) und Jackson Mac Low (geb. 1922) eine Anthologie der von ihrem Lehrer initiierten neuen Kompositionsweise heraus, die von George Maciunas gestaltet wird. Alles Material, das nicht in dieser Sammlung berücksichtigt ist, will Maciunas als sogenannte Fluxus fortan sukzessiv publizieren.

1962 bringt Maciunas das gesamte Material der Anthologie mit zum Wiesbadener Festum Fluxorum, wodurch die Fluxus-Bewegung in Zusammenarbeit mit den amerikanischen Cage-Schülern Jackson Mac Low, George Brecht (geb. 1926), Dick Higgins (geb. 1938) und Al Hansen in Europa etabliert wird. Da Maciunas eine aus der Experimentalmusik abgeleitete Aktionskunst nach Europa vermittelt, konzentrieren sich die von ihm getragenen Fluxus-Veranstaltungen im wesentlichen auf die Integration des Alltagslebens in das Repertoire musikalischer Klangereignisse. Dabei wird in Zertrümmerungsaktionen von Klavieren und Geigen nach dem dadaistischen Antikunst-Vorbild einerseits mit dem traditionellen Klangrepertoire der Musik gebrochen. Zum anderen entnimmt man solchen Klangereignissen gleichzeitig auch ein noch unverbrauchtes konkretes akustisches Material, das bislang nicht als Klang, sondern als Lärm galt, weil es außerhalb konventioneller Tonsysteme liegt.

Für die zahlreichen europäischen Fluxus-Feste im Anschluß an die Wiesbadener Veranstaltung 1962 formuliert Maciunas ein theoretisches Programm, in dem er die Abgrenzung zur traditionellen Kunst immer wieder im Geiste Dadas unterstreicht: »Fluxus-Amusement soll einfach, unterhaltend und anspruchslos sein, sich mit Belanglosigkeiten beschäftigen, weder besondere Fähigkeiten noch zahllose Proben erfordern, weder handelbar noch institutionalisierbar sein... es strebt einfache Strukturen und untheatralische Qualitäten in einfachen, natürlichen Vorgängen als Spiel an.«

Einen erweiterten Stellenwert und Reflexionshorizont erhält die Aktionskunst durch Joseph Beuys (1921-1986), der sich ab 1964 deutlich in kultisch-liturgischen Einzelaktionen ohne direkte Publikumsbeteiligung von den Neodada-Handlungen der Happening und Fluxus-Bewegung entfernt. Während des 24-Stunden-Happenings am 5. Juni 1965 in der Wuppertaler Galerie Parnass, das eine der letzten Sternstunden der Happening und Fluxus-Idee darstellt, bringt Beuys mit seiner Aktion "und in uns - unter uns - landunter" durch ritualhaft inszenierte Materialien - darunter Honig, Fett, Filz und Kupfer - ein symbolisch-spirituelles Dingvokabular für Energiespeicherung, Spannung, Kreativität zur Anschauung, das sich in weiteren Aktionen mit Titeln wie "Eurasia", "mit Braunkreuz", "wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt", "Manresa", "Hauptstrom" metaphorisch präzisiert und vertieft.

Dabei bedient sich Beuys einer breiten Fülle von teils traditionsverhafteten, teils avantgardistischen Ausdrucksformen, die archetypische, mythische und magisch-religiöse Zusammenhänge mit Hilfe von Gegenbildern neu erlebbar zu machen.

Mit der Ausweitung seiner künstlerischen Tätigkeit in den Bereich praktischer Politik vollzieht Beuys in den siebziger Jahren die ihm so wichtige Verbindung zwischen kultureller Tradition und konkreter Gegenwart, indem er das gesellschaftspolitische Ideenpotential von 1968 mit den anthroposophischen Vorstellungen Rudolf Steiners, aber auch mit der deutschen Klassik und Romantik im Leitmotiv einer »Sozialen Plastik, einer Kunst des sozialen Bauens« verschmilzt.

Auf der documenta 6 kann Beuys erstmals seine Idee einer "Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und internationale Forschung" verwirklichen und zugleich auch mit der "Honigpumpe am Arbeitsplatz" (1974-77) eine lebenssymbolische kinetische Installation errichten, die mit dem Werkstoff Honig als zirkulierender Energie die organische Dingsprache früher Fluxusaktionen am Beginn der sechziger Jahre erneut aufgreift und in direkte Beziehung zu seiner eigenen pädagogischen Tätigkeit setzt.

Mit diesem erweiterten Kunstbegriff, der real in das praktische Leben hineinreicht, hat Beuys maßgeblichen Einfluß auf die Produktion innovativer künstlerischer Ideen bis in die achtziger Jahre.

Ziel
Erreichen eines Zusammenspiels, das die Grenzen zwischen den Künsten sowie zwischen den Künstlern und dem Publikum aufhebt.
Fluxus ist die erste umfassend intermediale Kunstform seit Dada, in der Elemente aus Musik, Theater, Film, Kunst, Literatur und elektronischen Medien (Video!) nicht nur gleichberechtigt genutzt, sondern zu einer neuen, übergreifenden Kunstform entwickelt wurden. Die Künstler stellten sich nicht in Werken, sondern nur in Aufführungen, Protesten und Ideen dar. Die Werke sind das was als Aktionsrelikte übrig bleibt. Die Bewegung wollte sozial wirken und ihr Ziel war es, die schönen Künste auszulöschen. Das Kunstobjekt als funktionsloser Gegenstand, welcher nur verkauft werden soll, wurde strikt abgelehnt. Die oftmals anarchistischen Aktionen mündeten in dem utopischen Traum, die Kunst zu entkommerzialisieren und sie vor allem auch zu entprofessionalisieren. Die "life performance" sollte im Mittelpunkt stehen, der Zufall sollte regieren, ein Drehbuch für die Aktionen gab es nicht und es regierte das Experiment.

Erschöpfte Grüße
Eisfalter Wink
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